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Themen

23. Oktober 2018 

Ablehnung eines Stadionneubaus im Wildpark
durch die GRÜNE Gemeinderatsfraktion

Redebeitrag des sportpolitischen Fachsprechers Ekkehard Hodapp
bei der Gemeinderatssitzung am 23. Oktober 2018

 

Es gibt ja immer vielfältige Möglichkeiten, eine Rede zu einem Thema zu entwerfen. Man kann bei den reinen Fakten bleiben, kleine polemische Einsprengsel setzen, den politischen „Gegner“ angreifen, Zukunft und Vergangenheit beschwören und so weiter.
Beim „ewigen“ Thema Stadionneubau war diese Vielfalt so groß, dass ich mich entschieden habe, möglichst viele dieser Möglichkeiten zu nutzen. Daher ist es eine Rede nach dem Motto „so hätte die Rede aussehen können“ geworden. Lesen Sie selbst.
 
Heute ist es so weit. Der endgültige Startschuss zum Stadionneubau steht an. Mal wieder? Oder endlich?
Sollte ich 5 Minuten lang bedeutungsvoll schweigen, weil alles Wesentliche schon x- mal gesagt wurde? Das wäre der Sache und ihrer Dimension mit rund 123 Millionen € öffentlichem Geld nicht gerecht geworden. (Hätte aber einigen Befürwortern sicher gefallen!)
 
Oder ernsthaft noch einmal alle pro und contra-Argumente gegeneinander abwägen? Um dann wieder zu dem Schluss zu kommen, dass wir GRÜNE dieses Projekt aus den gleichen guten Gründen ablehnen wie bisher?
Darauf verweisen, dass wir bis hin zur Teilsanierung, dem Erhalt der Haupttribüne und dem Neubau der Gegentribüne kleiner dimensionierte, konkrete eigene Vorschläge gemacht haben, den immer mal wieder aufkommenden Vorwurf der reinen Verhinderung also leicht widerlegen können?
 
Einen Science-Fiction-Roman darüber schreiben, wie im Jahre 2058 nach 35 Jahren Pachtzahlung die Stadt ein dann altes, aber hoffentlich abbezahltes Stadion vermarktet? Oder gar darüber, dass es der KSC in der Zwischenzeit gekauft hat? Aber das scheint aus heutiger Sicht doch zu utopisch!
 
Schön wäre auch die „pars pro toto-Version“ gewesen: Am Beispiel des Hospitallity- Parkhauses stellvertretend für das Gesamtprojekt die Geschichte erzählen, wie der KSC dieses Parkhaus unbedingt will und braucht, um seinen VIP- Bereich zu vermarkten, es zur Entlastung des Gesamtbudgets selbst bauen will, daher von der Stadt ein Grundstück mit Erbbaurechtsvertrag möchte, um dieses dann beleihen zu können, dann aber doch wieder nicht will oder kann und die Stadt in Person des OB wieder nach Möglichkeiten sucht, das Ganze aufzuschieben, damit das Gesamtprojekt nicht platzt? So steht ein Teil sinnbildlich für das Ganze, eben „pars pro toto“.
 
Ich hätte dies auch unter dem Titel „Never ending story“ erzählen können, weil in der Abstimmung zwischen Stadt und KSC bis zum heutigen Tag immer neue Forderungen und Änderungen auf den Tisch kommen, die immer wieder neu verhandelt werden müssen (siehe den gestrigen Beschluss der Mitgliederversammlung des KSC, dass der Verein das VIP-Parkhaus in Eigenregie bauen dürfe – mit welchem Geld?). Aber von wegen „never ending“- die Geschichte scheint ja heute zu einem Ende zu kommen. Auch eine „Empathie- Rede“ wäre möglich gewesen: Dass wir den OB verstehen, dass er das Thema jetzt endlich eintüten will und das ständige Hin und Her leid ist. Dass die zustimmenden Fraktionen nicht mehr aus ihrer Rolle herauskommen, sich so tief und nibelungentreu auf ihr „Ja“ eingelassen zu haben, dass ihnen ein „Nein“ wie eine Niederlage vorkäme? Ich kann Ihnen versprechen: Wir GRÜNE wären bei einem „Nein“ verlässlich an ihrer Seite!
 
Oder doch als Abenteuerfilm mit Historienbezug. Titel: „Kampfmittel-Jones und die Entdeckung der Wälle“. Untertitel: „Wie uns im Jahre 2017 der Weltkriegsschutt von 1945 überraschte und die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nach heutigem Stand weitere 4,8 Millionen kosten wird“?
 
Ganz zum Schluss der Ansatz einer vergleichenden Studie:
Der SC Freiburg, seit dem Jahr 2000 13 mal in der 1., 6 mal in der zweiten und 0 mal in der 3.Liga baut ein Stadion, vergleichbar groß und vergleichbar teuer wie das des KSC, der im gleichen Zeitraum 2 mal in der 1., 15 mal in der 2. und 4 mal in der 3. Liga gespielt hat. So wie beim Vergleich der Ligazugehörigkeit enden die Parallelen auch bei der Finanzierung: Der SC Freiburg leistet eine Kapitaleinlage von mindestens 15 Millionen €, plus weitere 5 Millionen (je eine Mio. pro Jahr Zugehörigkeit zur 1.Liga). Und auch dort ist das Stadion teurer geworden. Wer zahlt den Aufschlag von 6,45 Millionen € ? Genau, der SC Freiburg! Und bei uns: kein Eigenanteil des KSC, die Vorfinanzierung des gesamten Projektes findet zu 100 % über öffentliche Gelder statt!
 
Alle diese Redeansätze wären denkbar gewesen.
Was bleibt, ist ein kurzes Fazit:
Wir wünschen dem KSC eine erfolgreiche Saison und unterstützen den Spitzensport in Karlsruhe. (Gegen die Behauptungen, wir seien KSC- oder gar generell sportfeindlich!)
Wir wünschen uns ebenso, dass unsere Skepsis unbegründet bleibt und die bisherige und wohl abzusehende Mehrheit im Gemeinderat das Richtige tut.
 
Aber: Das Projekt ist unseres Erachtens in der geplanten Form für alle Beteiligten zu groß:
Für den KSC, der allen Beteuerungen zum Trotz wirtschaftlich auf sehr wackeligen Beinen steht.
Für die Stadt Karlsruhe, deren Bürgerinnen und Bürger wohl ab heute in dreistelliger Millionenhöhe in Vorleistung gehen müssen und berechtigte Zweifel haben, ob dieses Geld jemals wieder zurückfließt.
 
Wir lehnen die Vorlage daher ab!
 
Alle Vorlagen zur Gemeinderatsentscheidung am 23. Oktober 2018 sind hier online zu finden.

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GRÜNE Positionierung in der Stadion-Diskussion der letzen Jahre:

Eine Zusammenstellung der GRÜNEN Argumente zu diversen Einzelfragen:

- 18. Dezember 2017: GRÜNE sehen den Neubau des Wildparkstadions in Frage gestellt
- 02. Mai 2017: GRÜNE wollen Pläne für den Neubau Wildparkstadion anpassen
- 18. November 2016: GRÜNE sehen Vertragsabschlouss zum Wildparkstadion zwiespältig
- 16. Juli 2016: Stadt und KSC gehen untragbares finanzielles Risiko ein
- 16. September 2014:  GRÜNE fragen nach Umbauplänen für Wildpark
- 10. Dezember 2013: GRÜNE wollen Bürgerentscheid zum Wildparkstadion
- 26. Juli 2013: Umbau im Wildpark bleibt einzige realistische Option
- 15. August 2012: GRÜNE erfragen mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitslage im Stadion