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Anträge

15. April 2019

Errichtung eines Friedensdenkmals statt des Leibgrenadier-Denkmals am Europaplatz Antrag:

 
  1. Das Leibgrenadier-Denkmal wird nicht mehr errichtet. Der Greif wird als Dokument der Zeitgeschichte aufbewahrt.
  2. Die Stadtverwaltung errichtet auf dem Europlatz bei der Postgalerie ein eindrucksvolles und wirksames „Friedensdenkmal“.
  3. Für dessen Gestaltung wird ein Wettbewerb ausgeschrieben.

 

Sachverhalt/Begründung

 

In jeder Stadt – so auch in Karlsruhe – steht für Denkmäler, die an die Vergangenheit oder unsere Werte erinnern, nur ein begrenzter Raum zur Verfügung. Dies gilt insbesondere für zentrale Plätze.
In großer Zahl bestehen nach wie vor in Karlsruhe Denkmäler aus der Zeit von 1848 bis 1914 , errichtet insbesondere anlässlich der Kriege gegen Frankreich oder zur Huldigung des deutschen Kaiserreichs.
Diese Denkmäler wurden oft im Interesse einer kleinen Minderheit, der herr-schenden Schicht, errichtet, und aufgrund des damaligen politischen Systems ohne demokratische Legitimation.
 
Wir GRÜNEN sind der Meinung, dass Erinnerungs-Platz in einer Stadt geschaffen werden muss:
- für Repräsentant*innen aus der breiten Gesellschaft vergangener Zeiten, ihren Lebensbedingungen, ihrer  Zivilcourage; dazu gehören auch Frauen, Kinder und alte Menschen, die in anderer Weise als Soldaten unter Kriegen litten, an die jedoch selten erinnert wird.
- für humane und nicht für Gewalt verherrlichende Ziele.
 
Mittlerweile ist der Abschluss der Arbeiten zur U-Strab und damit die Neugestaltung der Kaiserstraße und ihrer Plätze in greifbare zeitliche Nähe gerückt. In diesem Rahmen ist bislang geplant, das Krieg verherrlichende Leibgrenadier-Denkmal ohne Kommentierung auf dem Europaplatz wieder aufzustellen.
 
Unseres Erachtens ist es nicht mehr tragbar, ein gegenüber Europa und insbesondere gegenüber Frankreich kriegerisch-feindlich eingestelltes Denkmal nach zehn Jahren wieder aufzustellen. Dies gilt insbesondere für eine grenznahe Stadt wie Karlsruhe, in der viele Menschen mit französischen Wurzeln leben und die jedes Jahr von zehntausenden Menschen aus dem Elsass besucht wird. Als Teil des grenzüberschreitenden Pamina-Raumes darf Karlsruhe sich nicht mehr mit angeblich „ruhmreichen“ Schlachtenorten, wie z.B. dem auf dem Denkmal zweimal erwähnten nahen Strasbourg, brüsten.
 
Die Stadt hat auch hier – und gerade in der heutigen Zeit – die Aufgabe, sich von europafeindlichen, kriegsverherrlichenden Ansichten abzugrenzen und demokratische Werte zu vermitteln. Dies vor allem auch mit Blick auf das Bekenntnis Karlsruhes als besonderen Ort der Demokratie und der Rechtstaatlichkeit.
 
Auf der städtischen Website des Stadtarchivs und historischen Museen finden sich folgende Ausführungen zum Leibgrenadier-Denkmal: „An der prominenten, stadteinwärts gerichteten Ostseite wurden die Schlachtenorte des Ersten Weltkrieg aufgelistet: Loretto, Somme, Verdun, Cambrai und andere. Das Leibgrenadierdenkmal wurde nicht als Trauer-, sondern als Ehrenmal gebaut. Anstatt die Namen der Toten und die Gräuel des Ersten Weltkriegs führte es die „ruhmreichen" Schlachtenorte auf. Mit seiner aufrechten und erhabenen Haltung verkörperte der Greif eine machtvolle und siegreiche Geste, die selbst der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg zu trotzen schien.“
Das Leibgrenadierdenkmal reiht sich ein in eine Erinnerungskultur, die Gewalt und Grausamkeiten in den Mittelpunkt stellt. Selten gezeigt werden Beispiele des Widerstands, des demokratischen Wirkens aus Bürgertum und unteren Klassen.
Auf dem zentralen Europaplatz in Karlsruhe wäre ein Denkmal für den Frieden (evtl. ein Beispiel der deutsch-französischen Freundschaft) ein Gewinn. Karlsruhe könnte dafür einen Wettbewerb für französische und deutsche Künstler*innen ausschreiben und das Werk gemeinsam mit Vertreter*innen der Partnerstadt Nancy einweihen.

 

Unterzeichnet von:
 
Verena Anlauf, Renate Rastätter, Ekkehard Hodapp, Zoe Mayer, Johannes Honné
 
Stellungnahme der Stadtverwaltung für die Gemeinderatssitzung am 14.05.2019