Berthe Obermanns Dr. Iris Sardarabady Christine Großmann Benjamin Bauer Christine Weber Markus Schmidt Renate Rastätter Dr. Clemens Cremer Aljoscha Löffler Johannes Honné Zoe Mayer Jorinda Fahringer Verena Anlauf Niko Riebel Michael Borner

Anträge

27.06.2017

Unterstützung von „Ambulant betreuten Pflegewohngruppen“

Antrag:

 
  1. Die Stadt Karlsruhe unterstützt die Errichtung von ambulant betreuten Pflegewohngruppen als dritte – am Vorbild der Familie angelehnte – Form der Versorgung pflegebedürftiger Menschen.
  2. Die Stadt formuliert, welche Ziele sie in Hinblick auf den Ausbau dieser Wohngruppen verfolgt.
  3. Es wird ein Konzept zur Zusammenarbeit mit potenziellen Trägerinnen und Trägern erstellt. Das Konzept beinhaltet, wie und bis wann Träger über diese Wohnform informiert werden sowie konkrete Möglichkeiten der Unterstützung für interessierte Träger.

 

Sachverhalt/Begründung

 

Nach dem Wohn- Teilhabe- und Pflegegesetz (WTPG) wird seit 2014 auch die „ambulant betreute Wohngemeinschaft“ in Baden-Württemberg rechtlich anerkannt und unterstützt. Diese ist ein dritter Weg zwischen privatem Wohnen und Pflegeheim und wird angesichts der familienähnlichen Struktur schon länger in einigen Ländern Europas geschätzt.
 
In einer Wohnung wohnen acht bis zwölf Menschen, die von Präsenzkräften für die Alltagsbegleitung unterstützt werden. Für die Pflegeleistungen sind ambulante Dienste verantwortlich.
 
Der Vorteil gegenüber privatem Wohnen bzw. Pflegeheimen ist, dass die Seniorinnen und Senioren in solchen Wohnformen deutlich weniger vereinsamen und gleichzeitig in ihren Ressourcen unterstützt werden. Denn im Mittelpunkt steht bei diesem Konzept nicht die körperliche Pflege, sondern die gemeinsame Gestaltung des Alltags. Außerdem ist eine flexible und direkte Vernetzung im Quartier (z.B. durch den Einsatz ehrenamtlicher Kräfte oder auch durch die Teilnahme an lokalen Angeboten, wie etwa von Vereinen, Kirchengemeinden) möglich.
 
Zielgruppe sind Seniorinnen und Senioren, die bislang noch allein in ihrer (oft zu großen) Wohnung wohnen, in untere Pflegegrade eingestuft wurden und nicht in ein großes Pflegeheim umziehen möchten.
 
Der Vorteil von Pflegewohngruppen liegt auch in der Flexibilität. Sie können quartiersnah errichtet werden und – falls der Bedarf nicht mehr vorhanden ist – leicht in betreute Wohngruppen, studentische Wohngruppen usw. umgewandelt werden.
 
Die neu geschaffene „Fachstelle ambulant unterstützte Wohnformen“ des Landes () geht von einem hohen Bedarf an solchen Angeboten aus. Auch die Umfrage „Generation 55 Plus in Karlsruhe 2015“ kam zu dem Ergebnis, dass sich 20 % der Befragten die Versorgung bei eigener Pflegebedürftigkeit „auf jeden Fall“ in wohngruppenähnlichen Einrichtungen vorstellen können. Unter den 55-60 Jährigen sind dies schon 37 %. Rund 70 % können sich das Leben in Wohngruppen „auf jedem Fall“ oder „eventuell“ vorstellen.
 
Bisher gibt es in Baden-Württemberg 57 ambulante Wohngemeinschaften. In Karlsruhe besteht jedoch deutlicher Nachholbedarf, denn bislang existiert dieses Angebot noch nicht.
Immerhin steht die Heimstiftung kurz vor Inbetriebnahme einer ersten solchen Einrichtung mit neun Plätzen.
 
Unterzeichnet von:
 
Verena Anlauf,  Michael Borner,  Johannes Honné,  Dr. Ute Leidig,  Istvan Pinter,  Renate Rastätter
 
 
Stellungnahme der Stadtverwaltung für die Gemeinderatssitzung am 26.09.2017