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Anfragen

18. Dezember 2018

Muttermilchbank in Karlsruhe


Anfrage:

Muttermilch ist die gesündeste Nahrung für Neugeborene. Insbesondere bei Frühgeborenen trägt sie dazu bei, die Gefahr gesundheitlicher Schäden zu verringern. Da viele Mütter von Frühgeborenen nicht stillen können, ist der Bedarf an Muttermilch hoch. Muttermilchbanken halten gespendete und auf Keime kontrollierte Milch vorrätig.
  1. In Karlsruhe gibt es bislang keine Muttermilchbank, obwohl das Städtische Klinikum Karlsruhe (SKK) mit seinem Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe (Level 1) auch auf Risikoschwangerschaften und Risikogeburten sowie sehr kleine Frühgeborene spezialisiert ist. Wie wird daher die Bedeutung einer Muttermilchbank beurteilt?
  2. Ist der Aufbau einer Muttermilchbank geplant?
      a) Wenn ja, in welchem Zeitrahmen?
      b) Wenn nein, warum nicht?
  3. Wird am SKK bzw. an anderen Kliniken in Karlsruhe Muttermilch für Frühchen eingesetzt?
      a) Wenn ja, in welchem Umfang?
      b) Wie und woher wird die Milch beschafft?
  4. Wie steht die Stadtverwaltung zur Finanzierung einer Muttermilchbank durch einen kommunalen Zuschuss?
 

 

Sachverhalt/Begründung

Aus Sicht des Deutschen Hebammenverbandes, der Fachärzt*innen und der Forschung sind die Muttermilchbanken von großer Bedeutung. Die wertvolle Nahrung kann Krankheitsrisiken wie Darmerkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten minimieren und hat einen positiven Einfluss auf die neurologische Entwicklung der Babys. Deswegen besteht unter Fachleuten der Wunsch, dass es mehr solcher Banken gibt.
 
Frühgeborene benötigen in den ersten Lebenstagen manchmal nur wenige Milliliter Milch. Die Lücke wird mit industriell verarbeiteter Milch für Babys geschlossen. Vor allem aber die in der Muttermilch enthaltenden Enzyme und Abwehrstoffe können bislang nicht synthetisch hergestellt werden – und gerade diese können den Darmtrakt des Babys gegen Keime und vor anderen Komplikationen schützen. Frühgeborene, die mit gespendeter Muttermilch anstatt künstlicher Säuglingsnahrung ernährt werden, erleiden unter anderem deutlich seltener schwerwiegende Darmkomplikationen und haben eine bessere Nahrungsverträglichkeit.
 
Bisher gibt es in Baden-Württemberg nur eine Muttermilchbank. Sie wurde 2017 in Freiburg am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg eröffnet, wo Mütter von Früh- oder Neugeborenen, die über den Bedarf ihres eigenen Kindes hinaus einen Überschuss an Muttermilch bilden, ihre Milch für die optimale Ernährung von anderen Frühchen im Klinikum spenden können. Ziel der Frauenmilchbank ist es, alle sehr kleinen Frühgeborenen in Freiburg mit Muttermilch zu versorgen, um auf künstliche Säuglingsnahrung verzichten zu können, siehe die Erfahrungen in Dortmund.
 
In den Muttermilchbanken wird gespendete Muttermilch mikrobiologisch untersucht, bei Bedarf pasteurisiert und bei -20 Grad Celsius gefriergelagert. Die Milch steht nach der Aufbereitung zum Verzehr für Frühgeborene und kranke Neugeborene, die keine Milch der eigenen Mutter erhalten, zur Verfügung. Spenderinnen sind Mütter anderer Neu- oder Frühgeborener, die auf den neonatologischen Intensivstationen oder Frühchenstationen der Kliniken behandelt werden. Sie werden besonders ausgewählt und auf Erkrankungen getestet.
 
Finanziert werden Muttermilchbanken bisher von Kliniken, Trägern und über Spendengeldern. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Leistung leider nicht.
 
Derzeit existieren rund 20 Muttermilchbanken in Deutschland mit steigender Tendenz, z.B. in Augsburg, Berlin, Dortmund, Hamburg, Freiburg, Leipzig, Dresden, München.
 
Unterzeichnet von:
 
Verena Anlauf,  Michael Borner,  Dr. Ute Leidig,  Renate Rastätter
 
Stellungnahme der Stadtverwaltung für die Gemeinderatssitzung am 26.02.2019